Generation Youtube – Interview mit Forbidden Nickname

Unbenannt
Youtube stellt seinen Nutzern Themengebiete in einer Übersicht zur Auswahl.

Es ist kein Geheimnis, dass Youtube nicht nur als freies Videoportal, sondern auch im Vergleich zum handelsüblichen Fernsehen stetig wächst.
Laut einer Grafik des Kommunikations- und Medienwissenschaftlers Bertram Gugel dominierte die tägliche Anzahl der Sehminuten auf Youtube schon im Jahr 2010 gegenüber denen der größten öffentlich-rechtlichen Sender, ARD und ZDF. „Die Nutzer haben bei uns mehr Möglichkeiten“, sagt Chad Hurley, der Gründer von Youtube in einem Interview mit der Welt am Sonntag, „es findet mehr Interaktion statt und sie finden schneller die Inhalte, die sie interessieren.“
Mit der steigenden Anzahl der Youtube-Kanäle wächst auch die durchschnittliche Uploadrate von Videomaterial. Auf der Online-Plattform hat jeder die Möglichkeit, sich kreativ zu beteiligen und auf seine Art und Weise erfolgreich zu werden.
Auch Niklas Drude hat das Videoportal für sich entdeckt. Der 24-jährige Dresdener ist Hauptakteur des Youtube-Channels „Forbidden Nickname“, der sich mit den verschiedensten Themenbereichen Youtubes beschäftigt. In einem persönlichen Gespräch hat er einige Fragen beantwortet.

Redaktion: In welche Kategorie würdest du deine Videos einordnen?
Nick: Ich mache sehr viel unterschiedliches Zeugs. Das macht die Zuordnung recht schwer. Mal dreh ich kurze Sketche, mal Musikvideos zu eigenen Songs, mal Erklärvideos, mal Actionfilmchen – die Aufzählung ließe sich fast beliebig fortsetzen. Im Prinzip mach ich immer das, worauf ich gerade Bock habe. Das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum ich auf YouTube noch nicht so groß bin. Zuschauer wollen Kontinuität. Aber feste Formate werden mir meistens sehr schnell langweilig.

Bananencop
ForbiddenNickname in seinem Video „Verrückter Cop!“

Wann hast du angefangen, Videos auf Youtube zu stellen und was hat dich dazu inspiriert?
Mein erstes Video habe ich 2009 hochgeladen. Das war ein Filmchen, in dem ich mich in verschiedene Outfits geworfen habe, um zu zeigen, dass Kleider eben wirklich Leute machen – teilweise haben mich nicht einmal meine Freunde wiedererkannt. War damals meine Kunst-Jahresarbeit und hat mir eine eins eingebracht.
Der Grund weshalb ich angefangen habe, YouTube etwas ernsthafter zu betreiben und wöchentlich neue Videos hochzuladen, klingt vielleicht ein wenig beknackt: Ich bin auf YouTube aktiv, weil ich nicht sterben möchte, aber natürlich weiß, dass auch ich eines Tages das Zeitliche segnen werde. Wenn ich morgen von einem Blitz getroffen werden würde, würden durch YouTube meine Gedanken und Ideen dennoch weiterleben und wären für jeden abrufbar. Das ist für mich ein sehr tröstlicher Gedanke.

Wie viel Zeit steckst du im Durchschnitt in ein Video?
Das schwankt stark zwischen 4 und 100 Stunden, je nach Art des Videos. Der Durchschnitt liegt schätzungsweise bei etwa acht Stunden pro Video und Woche. Bei YouTube-Videos ist es eben mit dem Planen, Drehen und Schneiden nicht getan. Es muss auch ein Thumbnail gestaltet werden, das einerseits das Video möglichst gut repräsentiert, andererseits aber vor allem dazu verlocken soll, das Video anzuklicken. Ebenso müssen möglichst suchmaschinenoptimierte Videobeschreibungen geschrieben und alle Links in die Endcard eingefügt werden. Das sind Dinge, die auch sehr viel Zeit fressen können, die man als Zuschauer aber nicht so wahrnimmt.

Standbild
ForbiddenNickname in seinem Video „Ehrenmord (Kurzfilm)“

Wie hat sich dein Kanal über die Zeit verändert?
Ich drehe jetzt deutlich öfter Videos mit anderen YouTubern zusammen als früher. Diese Collabs sind es, was mir persönlich an YouTube am meisten Spaß macht. Bei mir in der Region gibt es jedoch leider kaum YouTuber. Deswegen nutze ich jetzt möglichst jede Fahrt in eine andere Stadt, um dort mit YouTubern aus der Gegend etwas zu drehen.

Was unterscheidet dich von anderen Youtubern?
Ich komponiere größtenteils die Begleitmusik für meine Videos selbst. Früher habe ich oft Stunden damit verbracht, einen passenden Song zu finden, der frei nutzbar ist und gut zum Video passt. Und teilweise bin ich auch dann nicht fündig geworden. Da hab ich dann gemerkt, dass es oft schneller geht, wenn ich die Musik zu meinen Videos einfach selbst komponiere. Durch die YouTube-Audio-Bibliothek ist die Suche nach Hintergrundmusik mittlerweile zwar deutlich einfacher geworden. Aber das Komponieren habe ich trotzdem beibehalten. So habe ich Musik in meinen Videos, die sonst keiner hat.

Was sind deine zukünftigen Pläne für deinen Channel?
Das entscheide ich von Woche zu Woche neu. Insgesamt werde ich mich wohl langfristig schrittweise ein wenig vom Blödel-Humor verabschieden und mich eher Erklärvideos widmen. Ich finde, wenn man mit fünfzig noch dieselben Witze reißt wie mit fünfzehn, verliert das Ganze komplett an Glaubwürdigkeit. Die frühere Zielgruppe ist mitgealtert und ist größtenteils aus dem Humor herausgewachsen und die neue Jugend findet einen einfach nur peinlich. Ich bin echt gespannt, wie sich Kanäle wie Y-Titty oder Smosh in Zukunft entwickeln werden.
Erklärvideos waren schon immer ein Teil meines Kanals, der mir auch immer sehr viel Spaß gemacht hat. Aber wenn man noch zu jung ist, wird man nicht so recht ernst genommen. Mit zunehmendem Alter gewinnt man eben auch an Autorität. Ich finde, man muss den Content, den man produziert, seinem Alter anpassen, um authentisch wirken und mit dem, was man macht, überzeugen zu können. Man stelle sich einmal vor, die Lochis würden den Content von Dr. Allwissend produzieren und andersherum. Wäre beides ziemlich albern.

Und last but not least: Welchen Rat würdest du Youtube-Neulingen mit auf den Weg geben?
Auf gar keinen Fall mit YouTube anfangen, um schnell reich und berühmt zu werden. Das sorgt nur für Enttäuschungen. Leute, die aus diesem Grund mit YouTube anfangen, hören meistens auch bald wieder damit auf, wenn schnelle Erfolge ausbleiben. Am Anfang hat man in der Regel kaum Zuschauer. Je nachdem wie gut das Kanalkonzept und die Umsetzung sind, kann es Monate oder auch Jahre dauern, bis man die 100-Abo-Marke knackt. In der Masse der Kanäle herauszustechen, ist heute schwieriger denn je. Es ist erst einmal egal, wie gut der Content ist, solange man einfach nicht gefunden wird.
Ansonsten ist Regelmäßigkeit das A und O auf YouTube. Deswegen sollte man mindestens einmal pro Woche ein neues Video herausbringen und auf feste Formate setzen.